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Samstag, 7. Mai 2011

Studentenleben: Koffeinwahn und Grillanzünderdämpfe

Tada - da ich länger schon nix mehr gepostet habe, kommt hier mal ein bisschen Studiums-Trivia. Vom 28. April bis 01. Mai war hier in Halle die Medizinstudierendenversammlung der Bundesvertretung der Medizinstudierenden (MV des BVMD). Diese findet mehrmals im Jahr statt, immer an einer der 36 (?) Medizinfakultäten Deutschlands.

Ich war dann mit Freunden als Helfer und auch als Teilnehmer unterwegs. Das bedeutete eine Menge Spaß, Arbeit, aber vor allem wenig Schlaf. Was mir als ausgeprägter Eule wirklich zu Schaffen machte.

Freitag erst früh aufstehen fürs Blockpraktikum, dann Vorlesungen und danach (obwohl eher mittendrin, wir mussten früher gehen) ab durch die Stadt auf den Altklinik-Campus für einen Workshop für den MSV. Unsere AG-LeiterInnen vom BVMD haben uns dabei eine Mischung aus rechtlicher Einweisung (wie wir national und international organisiert sind), Aufgaben und Themen unserer AG sowie Möglichkeiten, wie wir mit Jugendlichen arbeiten können, vorgetragen. Es war ein sehr lustiger und aufschlussreicher Workshop, vor allem, da wir viele Sachen auch einfach selber gemacht haben und sie uns nicht nur einfach trocken erklärt wurden.

Kaum war dieser Punkt der Tagesliste abgehakt, keine Verschnaufpause - nein, rüber zum Uniplatz. Dort kamen nämlich nach und nach unsere Gäste aller Universitäten an und ich war da Mädchen für alles, aufräumen, Getränke, begrüßen, was halt auch immer so anfällt. Anstrengend, aber lustig mit einer Menge netter neuer Leute. Auch wenn man merkt, wie sehr das eigene Englisch nach der Schulzeit doch eingeschlafen ist, wenn man es denn mal braucht. Da hab ich mir aber gefühlt was zusammen geradebrecht, aber funktioniert hat es dann auch.

Um meine Schicht bis 1 Uhr nachts zu überleben, habe ich mir dann auch den ein oder anderen (eher mehr) Kaffee gegönnt, von einem Kommilitonen Mate-Tee bekommen und eine Freundin hat mir dann noch Guaranadrops gegeben. Ergebnis: Ich hatte gegen 23 Uhr einen mächtigen Schub, ich war richtig drauf, geradezu hyperaktiv. Was auch mächtig anstrengend ist. Die Krönung für meinen Zustand war dann aber noch die Tatsache, dass ein Genie das in dem Raum vorhandene White Board mit Permanentmarker angemalt hatte. Geil.

Meine Freundinnen und ich hatten das zwar nicht verbrochen, haben dann aber nach der Lösung des Problems gesucht. Zufälligerweise befand sich vom Grillen der preMV noch Grillanzünder im Raum - alkoholfrei zwar, aber einen Versuch wert. Also ab mit dem Zeug auf ne Serviette und geschrubbt - siehe da, mühsam zwar, aber wirksam.

Da standen wir dann zu dritt und schrubbten in einer Gaswolke die Tafel - CAVE: das Zeug macht high und man redet nur noch Gülle. Oder war es doch die Müdigkeit? Oder die legalen Drogen?

Nach ner Riesenaufräumaktion fand der Tag dann doch um 2 Uhr nachts in meinem Bett ein Ende. Leider nicht für lange. Um 9 Uhr befand ich mich schon wieder im Unikinikum und rannte da von A nach B, machte einen Umweg über C und erledigte eine Menge kleiner Aufgaben. darauf folgend dann das Helfer-Tshirt gegen das neue MSV-Tshirt getauscht und uns in einem Seminarraum als Ortsgruppe präsentiert.

Plakate, Verhütungskoffer, Geschenkbeutel und ein paar Spielchen aus unserem Repertoire. Wir hatten jedenfalls eine Menge Spaß, auch wenn nicht viele unserer eigenen KommilitonInnen auftauchten - haben wir aber auch nicht anders erwartet. Über manche Dinge lohnt es sich einfach irgendwann nicht mehr zu ärgern.

Nachmittags gabs dann nochmal einen MSV-Workshop über Sexualität in Kindheit, Jugend und Alter. Vier Stunden lang - wieder eine Menge gelernt, viel gelacht, aber dann war auch mal gut. Noch schnell in die Mensa was essen und ab ins Bett.

Sonntag blieb mir das Arbeiten zum Glück erspart. Insgesamt hat das Wochenende sehr geschlaucht, gefordert, eine Menge neuer Erkenntnisse gebracht - und vor allem eine Menge Spaß. Wer also in die Gelegenheit kommt, sowas in der Art mal mitzumachen, es sei uneingeschränkt empfohlen!

Schönes Wochenende miteinander (und endlich ausreichend Schlaf)!

Dienstag, 19. April 2011

Arbeit zieht Arbeit nach sich


Das schlimme an Montagen ist ja nicht einmal Montage zu sein, nein. Sie sind nur dieses Semester elendig lang.

In Blockpraktikumswochen gehts teilweise halb Acht los (gnädigerweise unter Umständen auch erst halb Zehn - oh Gloria in Excelsis Deo...) mit Stationsarbeit oder im OP. Das kann mehr oder minder langweilig sein und zieht sich dann bis Mittag.

Ab Mittag dann im fliegenden Wechsel raus aus dem weißen Kittel, rein in den Hörsaal. Bis halb Sieben geben sich dann die Kliniker die Klinke in die Hand und bringen uns das Wesen der modernen Medizin näher - mehr oder minder talentiert das Publikum zu fesseln und Lehrinhalte gut verpackt vermittelnd. Zwischendurch hab ich mich dann mal davon machen können, denn ich hatte einen Termin in der Nuklearmedizin über ein Thema für meine Doktorarbeit. Habe dann dort auch ein vielversprechendes Thema abgegriffen, wo dann direkt nach Ostern schon die erste Arbeitsrunde auf mich wartet. Aber hej, ich habs ja nicht anders gewollt :). Das Gespräch war kurz und schmerzlos, also ab zurück nach Kröllwitz in die Vorlesungen und sich ab und an gefragt, warum zur Hölle man nicht auf die Peißnitz gefahren ist, aber für Selbstmitleid war es dann auch zu spät und die Vorlesungen waren vorbei.

Gut, wenn man dieses überstanden hat.

Schlecht, wenn es danach gleich weiter geht.

Ich habe ab um Sieben dann eigentlich Judokurs und die sportliche Betätigung tut nach so einem langen Tag wirklich gut. Nur diese Woche nicht - erstens hab ich mir wie erwähnt den Fuß verletzt und zweitens gab es diesen Montag unitechnisch abends noch etwas anderes zu tun.

Die Mitgliederversammlung der Medizinstudierenden kommt dieses Frühjahr nach Halle, vom 28. April bis einschließlich 01. Mai. Was da alles an Workshops, Vorträgen und natürlich (natürüürlich) Party laufen wird, kann man sich im vorläufigen Programm schon mal zu Gemüte führen.

Eine Menge Spaß verspricht das Ganze auf alle Fälle - aber natürlich auch eine Menge Arbeit. Diese dann für studentische freiwillige Hilfskräfte, die einen Haufen Arbeit für ein T-Shirt, Verpflegung, Kaffee und freien Eintritt zur Party machen.

Wieviel Arbeit da auf uns eigentlich zukommt, haben wir gestern gesehen. Knappe 30 Leute trafen sich um Acht im Dekanat. An einem Tag warten schon mal fast 50 Aufgaben auf Erfüllung. Nicht jeder kann jeden Tag zu jeder Uhrzeit zur Verfügung stehen.

Verdammt.

Wir haben uns vom MSV mal so grob ausgemacht, dass jeder von uns sich einen Tag für eine gewisse Uhrzeit zur Verfügung stellt. Dafür kriegen wir dann auf der MV einen eigenen Seminarraum, um uns vorzustellen, kriegen einen kleinen Workshop und die Fachschaft bezahlt uns auch neue T-Shirts. Yeah.

Haben wir uns fein ausgedacht. Wird wohl so nix werden. Aus einem Tag Verfügbarkeit, wurden dann fix drei und ich habe mich todesmutig dazu hinreißen lassen, notfalls auch mal eine Nachtschicht zu machen. Das bedeutet, ich wache von 22-7.30 Uhr in einer der Unterkünfte darauf, dass alle heil ankommen, nur reinkommt, wer darf und es sonst auch allen gut geht. Quasi Herbergsmutti.

Und da das ein so beliebter Job ist, werd ich ihn garantiert auch bekommen. Was tut man nicht alles für Kaffee ;)

Aber blöde Arbeit hin oder her - ich freue mich jetzt schon auf Gäste aus ganz Deutschland und ein geiles Wochenende!

(Die Orgas haben erzählt, dass sie neulich in Berlin erzählt bekamen, wie sich die Leute schon auf die MV in Halle freuen und dass sie noch nie im Osten gewesen sind...in Berlin. Anscheinend noch nie über die Stadtgrenze getraut - aber ist ja auch nachvollziehbar, bei uns in Brandenburg ist es gefährlich, hier gibts Wölfe! Und drei Nazis aufm Hügel, aber die finden niemand zum Verprügeln:

:)

Mittwoch, 13. April 2011

Es gibt sogar was geschenkt!

Um Leute für soziales Engagement zu begeistern, muss man eben alle Register ziehen.

Am Montag sind wir vom MSV nämlich durch die Vorlesungen gezogen, um uns vorzustellen und neue Leute für unsere Arbeit zu gewinnen. War ganz lustig aufgemacht, wir hatten noch T-Shirts von unseren Vorgängern mit einem netten Kondom vorne drauf und der Unterschrift "richtig ficken". Wenigstens die Aufmerksamkeit war uns also schonmal sicher. Ich habe dann einen kurzen Text aufgesagt (zu dem dann noch ein paar kleine Plakate hochgehalten wurden) und auf unseren Infostand im Rahmen der Mitgliederversammlung der Medizinstudierenden hier in Halle hingewiesen, mit Kuchen, Kaffee, Spielen und Geschenken.

Wenn das nicht zieht, dann weis ich auch nicht mehr.

Es war aber teilweise schon seltsam, wenn man sich die Gesichter der Vorlesungsgänger so angeschaut hat, je höher das Semester, desto weniger Interesse, hatte man das Gefühl. Ich hoffe, ich täusche mich, denn es wäre echt schön neue begeisterte Mitstreiter zu finden. Also das Beste gehofft.

Die Planung der Schulbesuche läuft auch schon auf Hochtouren und wir haben von der Fachschaft die Zusage, dass sie uns neue (professionellere) T-Shirts zahlen. Es geht voran in schnellen Schritten!

Die nächsten Infos gibts dann wohl von der MV, denn da gibt es ja sogar was geschenkt ;)

Dienstag, 5. April 2011

Soziales Engagement und Männerquote

Klingt jetzt nach hochtheoretischer Politik, ist aber auf einen konkreten Anlass bezogen.

Nun von Anfang an: Ich bin als Medizinstudentin Mitglied im MSV. Das Kürzel steht für "Mit Sicherheit verliebt" und wir engagieren uns im Kampf gegen HIV und AIDS. Am Welt-Aids-Tag (jährlich am 1. Dezember) haben wir beispielsweise einen Kuchenbasar (mit Glühwein, bei der Hundekälte ging der glatt noch besser weg ;)) veranstaltet und Geld zugunsten der Deutschen AIDS-Hilfe gesammelt.

Für dieses Semester planen wir uns weiter zu "professionalisieren", wenn man es denn so nennen will, und wollen Aufklärungsarbeit an Schulen leisten. Ende April ist hier in Halle eine Mitgliederversammlung der Medizinstudierenden und im Rahmen dessen kriegen wir von erfahreneren MSVlerInnen einen Workshop, der uns auf die Arbeit mit SchülerInnen der 5. bis 7. Klassen vorbereiten soll. Gleichzeitig wollen wir uns und unsere Arbeit auch unseren eigenen KommilitonInnen vorstellen, um bekannter zu werden und neue Mitglieder zu werben.

Das bedeutet natürlich auch eine ganze Menge Vorbereitung und Arbeit. Nächsten Montag wollen wir in den Vorlesungen alle Semester zu der Mitgliederversammlung und damit auch zu uns einladen. Auch das gehört natürlich vorbereitet. Im Großen und Ganzen ist dies sogar mein eigenes kleines Projekt. Das heißt, ich habe die Stundenpläne durchforstet, um eine Reihenfolge festzulegen, ich habe gestern Abend noch die Sekretariate der Vorlesungsveranstalter angeschrieben und um Erlaubnis gefragt, ich muss mir noch ein kleines Konzept überlegen und ich werde am Montag auch die Sprecherin sein. Das ist schön, macht Spaß, bedeutet aber auch eine gewisse Verantwortung.

Da kommt jetzt die Männerquote ins Spiel: Im Moment sind wir sechs Frauen und nur zwei "aktive" Männer. Die Gänsefüßchen habe ich benutzt, da die zwei Herren sich zwar an konkreten Aktionen, wie dem Basar oder auch Schulbesuchen beteiligen, der ganze Organisationskram, Schriftverkehr, Verhandlungen usw. also die ganze Verantwortung komplett an uns Frauen hängen bleibt.

Noch dazu meinte einer der beiden zu unserem Männermangel, er hätte schon ein paar Freunde, die gerne in Schulen oder so mitkommen würden, aber der ganze Kram mit den ständigen Treffen wollen sie nicht.

Zu den ständigen Treffen: Wir treffen uns jeden ersten Sonntag im Monat. Für ein bis zwei Stunden. Ohne Anwesenheitspflicht, wer mal nicht kann, der kann mal nicht, Protokoll kommt die drauffolgenden Tage immer als Email zugesandt. Das wird man als erwachsener Mensch doch wohl gebacken kriegen?!

Ich glaube ja gar nicht, dass alle Männer so sind, auch nicht bei uns im Studium ;), aber ich hoffe durch unsere "Öffentlichkeitsarbeit" in nächster Zeit bekommen wir ein paar zuverlässigere Exemplare in unsere eigenen Reihen, die es auch schaffen, wenn sie nicht könnnen, rechtzeitig (oder überhaupt) abzusagen.

Denn eins können und wollen wir nicht: Auf sie verzichten. Allein für die SchülerInnenarbeit ist es von Vorteil, mit den eigenen Erfahrungen der Pubertät und Sexualität arbeiten zu können und manche dieser Erfahrungen des "anderen" Geschlechts fehlen einem schlicht und ergreifend. Davon abgesehen denke ich, dass sich die meisten Kinder in diesem Alter bei dem sensiblen Thema unter gleichgeschlechtlichen Bezugspersonen besser aufgehoben fühlen, sich weniger genieren und man so einfach einen besseren Zugang zu ihnen hat.

Was wünsche ich mir also? Am schönsten wäre natürlich eine 50:50-Geschlechterverteilung, aber selbst wenns soweit nicht kommt, ein paar mehr Männer brauchen wir schon, denn wenn unsere beiden mal ausfallen, was machen wir dann? Wenn die Herren dann noch eine gute Portion Engagement und Arbeitswillen (den Spaß an der Sache natürlich nicht zu vergessen) mitbringen, dann ist es eigentlich schon geritzt ;)

In diesem Sinne hier noch zwei Links, um sich mit dem Thema HIV und Aids noch ein wenig mehr auseinander setzen zu können:

Deutsche AIDS-Hilfe
MSV

Einen schönen Abend noch!