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Sonntag, 15. Mai 2011

Zementierte Vorurteile - Männlichkeit

Fernsehen gefährdet echt die eigene Gesundheit - manchmal weis man nicht, ob man jetzt lachen oder weinen soll. Wahrscheinlich kotzen.

Aktuell. Kabel eins - Abenteuer Leben. Gerade läuft so ein beliebtes Countdown-Spielchen à die Zehn blablabla...und blabla steht hier für heteronormativen Scheißdreck vom Feinsten. Ich wunder mich noch warum als erstes in der Sendung nicht der Moderator, sondern ein halbnacktes Model, welches fotografiert wird, gezeigt wird. Aber das ist ja ganz logisch, denn es geht ja schließlich um die Top 6 Traumberufe für echte Männer.

oO

Waha.

Natürlich sind echte Männer nur heterosexuelle, pornoliebende, pokerspielende, legospielende, Bier trinkende Hubschrauberpiloten. Also wer diese Vorgaben nicht erfüllt, muss sein Y-Chromosom sofort und unverzüglich beim Amt für Geschlechterdivergenzen abgeben. Sonst drohen horrende Strafen.

Würg. Entschuldigen Sie bitte, aber da kam mir doch glatt ein wenig Kotze hoch.

Kommt das mir eigentlich nur so vor oder werden tatsächlich zur Zeit verstärkt Geschlechterrollen in der Werbung zementiert? Schon mal nen Baby mit seinem Vater in der Werbung gesehen? Bei Coke backen auch nur Mütter Schokoladenkuchen. Davon abgesehen ist jeder gebaute Panzer für mich ein Grund an das Schlechte in der Welt zu glauben. Bei Axe gehts auch nur darum, Frauen anzumachen. Beim Frauendeo von FA rennt eine Frau oben ohne rum.

An was für Menschen bringen diese Leute ihre Waren? An mich jedenfalls nicht.

Samstag, 14. Mai 2011

Hormone und Konservative

Das der neugewählte Ministerpräsident Sachsen-Anhalts Reiner Haseloff (CDU - muss man noch mehr sagen?) ein höchst zweifelhafter Politiker ist, und höchstens als Sexismusexperte aus eigener Erfahrung durchgeht, weis man ja. Aber was er und seine Parteigenossen sich da jüngst geleistet haben, geht echt auf keine Kuhhaut - nicht mal auf eine aus Kunstleder.

Nachtigall, ick hör dir trapsen. Wie oft will man Hormone noch als Argument gegen Frauen ins Feld führen? Denn, meine Herren, sie mögen wohl Recht haben, Hormone steuern jegliche unserer Verhaltensweisen - Nahrungsaufnahme, Wahrnehmung und Denken, Schlaf-Wach-Rhythmus, Sexualität, soziales Verhalten. Ebenso, geneigte Leserschaft, haben sie auch Recht, dass diese Steuerung zyklischen Schwankungen unterworfen ist.

Die Frau ist ein "hormongesteuertes" Wesen, in der Tat. Bevor hier aber irgendwer ein siegesgewisses Grinsen - "ich hab es ja schon immer gewusst" - aufsetzt:

Der Mann nicht minder. Jede gegenteilige Behauptung ist unseriös bzw. schlichtweg gelogen.

Daran ist überhaupt nichts verwerfliches. Hormone und ihre Zyklen sind unsere Überlebensgarantie, medizinische Probleme im Hormonhaushalt haben schwerwiegendste Folgen - im Zweifelsfalle letale, wenn man nicht behandeln kann mit (genau) Hormonen. Hormone sind nicht unsere Feinde und sie diskreditieren eine Frau in keinster Weise - nicht in ihren kognitiven und nicht in ihrer körperlichen Leistungsfähigkeiten.

Wenn die CDU-Frauen sich also aufregen, hat dies mitnichten mit ihren Hormonen zu tun, sondern mit Tatsachen und der ungeschminkten konservativen Realität. 35 Führungspositionen waren zu vergeben - 2 gingen davon an Frauen.

5,7%. Fünf Komma Sieben Prozent. FÜNF KOMMA SIEBEN!

oO Da tanzen meine Hormone auch Rumba - vor allem Adrenalin. Wenn es irgendeinen Beweis für die Notwendigkeit der Frauenquote noch gebraucht hätte - bitte schön hier Frei Haus. Die Begründung, dies wäre nicht möglich mit den 30% bei nur sechs Frauen in der Fraktion, schlägt einem doch auch nur als blanker Hohn ins Gesicht. Wenn diese Partei die WählerInnenlandschaft Sachsen-Anhalts abbildet, dann ist der Frauenmangel im Osten anscheinend furchtbarer als angenommen.

Nicht mit den Frauen läuft was falsch, dass sie nicht in der CDU "vorhanden" sind, nein, mit der CDU läuft was falsch, wenn sie Frauen in großer Mehrheit keine politische Heimat bieten kann (und oftmals wohl auch nicht will). Vielleicht sollte die Partei mal überlegen, wie sie sich für die größte Minderheit des Landes attraktiver machen kann und den schwarzen Peter nicht den Frauen in die Schuhe schieben.

Ich gebe unumwunden zu - meine politische Heimat wird die CDU nie sein und dementsprechend werde ich sie nicht wählen (gibt ja genug andere *Piep*, die das tun). Aber habe ich als Frau und damit Teil aller Frauen Sachsen-Anhalts (oder auch der BRD, das Problem ist in jedem Rahmen ja dasgleiche) nicht trotzdem das Anrecht, angemessen repräsentiert zu werden?

Das alle zehn Sprecherposten an Männer gingen - keine Bewerberin wurde berücksichtigt - verwundert mich nach den Führungspositionendebakel noch weniger. Die Vorsitzende der Frauenunion Eva Wybrands allerdings schon:

"Was hier passiert, baut nicht mehr auf den Werten auf, für die die CDU steht."

Naja, für mich klingt das nach althergebrachten konservativen Mustern. Was nicht bedeutet, dass diese nicht endlich begraben gehören, lieber heute denn morgen.

Fuck Gleichberechtigung - her mit der GleichSTELLUNG! Papier ist geduldig, auf den Gleichstellungsparagraphen in unserem Grundgesetz darf ich mich eh nicht beziehen - ich will endlich Taten sehn und verdammte Erfolge!

Allergikerhinweis: Dieses Produkt kann produktionsbedingt Spuren von Ironie, Sarkasmus und Zynismus enthalten.

Samstag, 23. April 2011

Feiertagsfrust

Diese Aktion finde ich gut und richtig. Ich bin Atheist, christliche Feiertage bedeuten mir nur als Zeiten der Familieneinkehr und Ruhe für sich selbst etwas. Unser Land ist durch und durch christlichen Traditionen unterworfen und durch diese geprägt, aber das bedeutet noch lange nicht, dass diese nicht reflektiert werden dürfen.

Damit meine ich die persönliche Reflektion durch jeden einzelnen Menschen und nicht die durch den Staat. Ich möchte frei sein in meiner Entscheidung, tanzen und feiern zu gehen wann und wo ich will. Jede/r möge nach eigener Facon glücklich werden und wer den Karfreitag (oder jeden anderen für sich bedeutenden Feiertag) in aller Beschaulichkeit und Stille begehen möchte, der möge dies tun.

Dieser Mensch kann sich doch aber schlecht von mir tanzend in einer Diskotheke religiös angegriffen und verletzt fühlen (schließlich wird er diese Karfreitag nicht aufsuchen). Mit welchem Recht werden hier also meine freien Entfaltungsmöglichkeiten beschnitten? 

Säkularität ist für mich ein staatstragendes Prinzip. Glaube ist etwas fundamental persönliches, es kann kein Einheitskonzept dafür geben und der Versuch ein solches mit so seltsamen Regelungen wie dem Tanzverbot zu schaffen, widerspricht für mich dem kategorische Imperativ, "Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, daß sie ein allgemeines Gesetz werde" (Kant, Grundlegung zur Metaphysik der Sitten) und damit dem Kern der deontologischen Ethik (die ich im Allgemeinen favorisiere; diese Form der Ethik fragt nach der moralischen Pflicht einer Handlung, laut Kant ist dabei der Ursprung der Moral die Vernunftfähigkeit des Menschen - ergo Handeln nach eigenem Wissen und Gewissen).

Nicht nur beschneidet dieses Verbot die Rechte Andersgläubiger oder Nichtgläubiger, es verneint gleichzeitig die Pluralität der gelebten Spiritualität unter den Christen. Vielleicht möchten manche unter ihnen nicht vorrangig dem Tod am Kreuze gedenken, sondern die Erlösung von Erbsünde und Schuld feiern? Vielleicht sogar mit Musik und Tanz?

Und wem steht es zu, darüber zu urteilen? Mir nicht und ganz gewiss nicht diesem Staat. Herr Kirchenrat Witzenbacher mag mit seiner Aussage über nötige Entschleunigung in dieser unserer Gesellschaft gar nicht falsch liegen - aber doch nicht von oben herab diktiert. An meinen Bedürfnissen orientiert sich dieser Staat jedenfalls recht selten (dann gäbe es ihn hochwahrscheinlich gar nicht) und deswegen hätte man so ein nonsense-Argument ruhig mal stecken lassen können. Die Welt wird durch weniger Reglementationswut nicht unter gehen. Sie tat es nicht nach Einführung des Frauenwahlrechts, nach dem Ende der Strafverfolgung von Abtreibungen, nach Aufhebung der Strafbarkeit homosexueller Handlungen, nach Gleichstellung ehelicher und unehelicher (was für eine abwertende Kategorie für Menschen) Kinder und sie würde es auch nicht, wenn Deutschland endlich mal die Präimplantationsdiagnostik erlauben würde (daran glaube ich).

Freiheit dem Glauben, aber auch Freiheit dem Unglauben.

Und vor allem: Freiheit dem Leben.

P.S. Die Sprache dieses Posts ist ob des sensiblen Themas arg zurück gefahren (vgl. vorangehenden Post). Jemanden zu verletzten lag nicht in meiner Intention - Zweifel und Nachdenken sind für mich aber Motor des Seins.

Donnerstag, 7. April 2011

Stillstand als rechtsstaatliches Prinzip?

"Recht muss Recht bleiben." So banal wie bunt dekoriert steht dieser Satz über dem Eingang des Landgerichts Halles. Und mich gruselts jedes mal. Meine Gedanken dazu werde ich hier mal zu Papier bringen, auch wenn sie weder bahnbrechend noch stilistisch eindrucksvoll sind.

Was ist Recht eigentlich? Laut Wikipedia ist Recht
"im objektiven Sinn ein abgrenzbarer Teilbereich der Gesamtheit gesellschaftlicher Normen"
Normen wiederrum sind grob gesagt sich in einer bestimmten Gesellschaft entwickelte Handlungsvorschriften. Aus dieser Entwicklung heraus ergibt sich dann auch die teilweise Begründungslosigkeit mancher Normen, denn "das haben wir schon immer so gemacht". Wer hat diesen oder einen ähnlichen Satz noch nie gehört? Fast schon archetypisch.

So werden Verhaltensweisen sanktioniert oder belohnt, obwohl der eigentliche Entwicklungsgrund der zugrundeliegenden Norm längst der Vergangenheit angehört. Aber was Traditionen angeht sind Menschen und vor allem Menschenmassen schwerfällig.

Daneben gibt es dann noch die Ethik, die Lehre vom richtigen Handeln und der immer aktuelle Diskurs, was denn "Gut und Böse" ist. Als Grunddisziplin der Philosophie hat sie dabei natürlich auch immer die herrschenden Normen zu hinterfragen, unter anderen Gesichtspunkten zu betrachten und neue Fragen aufzuwerfen.

Dies ist nun aber ein Wandlungsprozess, denn auch Gesellschaften verändern sich, was vor wenigen Jahren oder Jahrzehnten noch Recht war, kann heute das Blanke Unrecht sein.

Gesetze und Vorschriften müssten also immer wieder in relativ kurzen Zeitabständen Supervisionen und Revisionen unterzogen werden, um mit dem Fortschritt der Gesellschaft schrittzuhalten. Der Legislative sollte auch eine Ethikkommission zur Seite gestellt werden, so wie es in der medizinischen Forschung üblich ist.

Auf etwas zu pochen, nur weil es verbrieftes Recht ist, ist reaktionär. Der Diskurs muss immer nicht nur erlaubt sondern auch (öffentlich) gefordert sein. Kommt der Diskurs zum Entschluss, das geltendes Recht weiter gelten solle, da es den aktuellen ethischen Standards entspricht, darf auch weiterhin drauf gepocht werden. 

Vorerst. Denn schließlich gilt heute wie zu Zeiten Heraklits: Panta rhei - Alles fließt.

Recht, das Recht bleibt, nur weil es Recht war, ist Stillstand und kultureller Tod.

Recht muss ethisch bleiben.